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Deutschland ist arm an Rohstoffen. Bei Erzen und Metallen sind wir zu
100 Pro-
zent auf Importe angewiesen. Der Bedarf an Öl und Gas muss überwiegend
durch
Einfuhren gedeckt werden. Der Beitrag des heimischen Steinkohlenbergbaus
zur
inländischen Energiegewinnung wird kontinuierlich vermindert. Einzige
Aus-
nahme: Unsere Braunkohle. Sie steht in großen Mengen zur Verfügung,
wird, ohne dass Subventionen benötigt werden, zu wettbewerbsfähigen
Bedingungen gefördert. Braunkohle ist, in geologischen Zeiträumen
gemessen, eine junge Energie. Das Miozän mit seiner üppigen
Vegetation schuf vor 5 bis 25 Millionen Jahren im Rheinland und in der
Lausitz mächtige Torfmoore, die mehrfach von Sand und Kies überdeckt
wurden. Die Braunkohlenvorräte in Mitteldeutschland und im Helmstedter
Raum entstanden bereits etwas früher im Eozän, also vor 50
bis 60 Millionen Jahren. Farbe und Struktur verraten bis heute die pflanzliche
Herkunft der Braunkohle.
Auf etwa 77 Milliarden Tonnen (Mrd. t) schätzen Geologen die heimischen
Braunkohlenvorräte. Das würde reichen, um die heutige Förderung
noch für mehrere Generationen fortzusetzen. Gemäß internationalen
Vereinbarungen zur Bewertung von Rohstofflagerstätten und in Abhängigkeit
vom gegenwärtigen Niveau der Energiepreise gelten von der Gesamtmenge
gut 40 Mrd. t als ge-
winnbar. Davon sind derzeit etwa 6 Mrd. t in genehmigten und erschlossenen
Tagebauen verfügbar. Damit bietet Braunkohle eine sichere Energieperspektive
für rund eine Generation. Insgesamt sind die als wirtschaftlich
gewinnbar ein-
gestuften deutschen Braunkohlenreserven höher als die gesamten
derzeitigen
Öl- und Gasvorräte in Europa (ohne Russland).

Die deutschen Braunkohlenlagerstätten konzentrieren sich auf drei
Regionen:
Das Rheinland, die Lausitz sowie das Mitteldeutsche Revier, das sich
von Helm-
stedt bis in den Großraum Halle/Leipzig erstreckt. Kleinere Vorkommen
in Hessen und Bayern werden heute nicht mehr abgebaut. Innerhalb des
Städtedreiecks
Köln-Aachen-Mönchengladbach erstreckt sich das Rheinische
Braunkohlenrevier. Das Rheinland gilt als das größte geschlossene
Braunkohlenvorkommen in
Europa. Die gesamte Lagerstätte erstreckt sich über eine Fläche
von rund 2.500 Quadratkilometer. Im Rahmen der erschlossenen und genehmigten
Abbaufelder stehen derzeit 3,4 Mrd. t zur Verfügung. Damit kann
das heutige Förderniveau von etwa 100 Millionen Tonnen (Mio. t)
pro Jahr noch mehr als 30 Jahre aufrecht erhalten werden. Die Braunkohlenförderung
im Rheinland wurde in den zurück-liegenden Jahren auf drei Großtagebaue
konzentriert: Garzweiler, Hambach und Inden.
In der Lausitz lagern etwa 12 Mrd. t Braunkohle. Hiervon sind derzeit
2,1 Mrd. t erschlossen oder für den Abbau in der Planung beziehungsweise im Genehmi-gungsverfahren. Die derzeitige
Förderung von etwa 55 Mio. t pro Jahr lässt sich auf die-ser Grundlage noch rund
40 Jahre fortführen. Die Lagerstätten des Mittel-deutschen Reviers umfassen
etwa 10 Mrd. t Braunkohle. Davon ist etwa ein Fünftel gewinnbar.
In bereits erschlossenen oder genehmigten Tagebauen stehen insge-samt
0,5 Mrd. t zu Verfügung, was den Betrieb für etwa 25 Jahre
sichert. In den drei Revieren wurden im Laufe der rund 150jährigen
Fördertätigkeit jeweils rund 7 Mrd. t Braunkohle abgebaut.

Die wichtigste heimische Energiequelle, unsere Braunkohle, wird von
Schichten
aus Sand, Kies, Ton oder Lößboden überdeckt. Im Rheinland
sind diese Deck-
schichten zwischen 40 und 350 Meter mächtig, in den anderen Revieren
zwischen
20 und 130 Meter. Damit liegt Braunkohle im Vergleich zu anderen Energieträ-
gern relativ oberflächennah. Die lockeren Deckschichten lassen
sich zudem leicht abtragen, so dass der großtechnische Tagebau
die wirtschaftlichste und sicherste Form der Braunkohlengewinnung darstellt.

Je nach Revier und Flözen unterscheidet sich Braunkohle in seiner
Beschaffen-
heit. Grob definiert besteht Braunkohle aus etwa 55 Prozent Wasser,
5 Prozent
Asche und 40 Prozent Reinkohle. Die wasser- und aschefreie Rohkohle
besteht wiederum zu rund zwei Dritteln aus Kohlenstoff sowie Wasserstoff,
Stickstoff und Sauerstoff. Die geologisch bedingte Zusammensetzung unterscheidet
Braunkohle deutlich von Torf einerseits und Steinkohle andererseits,
dies hat aber keine gra-
vierenden Auswirkungen auf die Nutzungspotenziale des Brennstoffs. Vornehm-
lich durch den hohen Wassergehalt hat Braunkohle im Vergleich zu anderen
fossilen Energieträgern einen geringeren Heizwert. Der durchschnittliche
Ener-
giegehalt der in Deutschland geförderten Braunkohle liegt bei 9.000
Kilojoule
je Kilogramm (kJ/kg). Umgerechnet entspricht 1 Tonne Rohbraunkohle dem
Energiegehalt von etwa 310 Kilogramm Steinkohle.

Für die Verwertung von Braunkohle ist neben dem Heizwert vor allem
der Asche- und der Schwefelgehalt von Bedeutung. Im Rheinischen Revier
erreicht der
Schwefelgehalt maximal 0,5 Prozent, die Lausitzer Braunkohle weist Schwefel-
gehalte zwischen 0,3 und 1,5 Prozent auf. Im Mitteldeutschen Revier
liegen die Maximalwerte bei 2,1 Prozent und im Helmstedter Revier bei
bis zu 2,8 Prozent.
Da Braunkohle zu über 90 Prozent in Kraftwerken zur Stromerzeugung
eingesetzt wird, wird der Schwefel durch geeignete Rauchgaswäschen
herausgefiltert und
kann nicht zur Schädigung der Umwelt beitragen. Das Endprodukt
Gips ist ein wichtiger Baustoff. Auch die Emission von staubförmigen
Aschebestandteilen
wird in allen Braunkohlenkraftwerken wirkungsvoll reduziert.

Zur Versorgung der nahegelegenen Kraftwerke wird im Rheinischen Revier
der Tagebau Garzweiler seit Anfang 2006 in westlicher Richtung nahtlos
in das 48 Quadratkilometer große Anschlussfeld Garzweiler II fortgeführt.
Dort lagern in maximal 210 Metern Tiefe insgesamt 1,3 Mrd. t Braunkohle,
die bis 2044 abge-
baut werden sollen. Auf Garzweiler II entfallen künftig rund 40
Prozent der ge-
samten rheinischen Braunkohlenförderung. Der Tagebau Garzweiler
erstreckt sich westlich von Grevenbroich im Kreis Neuss. Die Braunkohle
ist dort in drei Flözen abgelagert, die zusammen durchschnittlich
40 Meter stark sind.
Mit der Erkundung des Braunkohlenvorkommens um Lützen soll die
langfris-
tige Kohlenversorgung im Mitteldeutschen Revier sichergestellt werden.
Seit
2006 wird die Lagerstätte systematisch erkundet. Im Frühjahr 2010 wurde die 1999 unterbrochene Förderung im Tagebau Reichwalde nach umfangreichen Modernisierungsinvestitionen wieder aufgenommen. Im Feld Reichwalde stehen rund 344 Mio. t Braunkohle zum Abau bereit.
Zum langfristigen Erhalt der Energiestandorte Jänschwalde und Schwarze
Pumpe
in der Lausitz sollen drei neue Tagebaue bis über das Jahr 2050
hinaus beitragen. Im Jahre 2008 begannen die Vorbereitungen zum Braunkohlenplanverfahren
für
den Tagebau Jänschwalde-Nord. In einem zweiten Schritt wird ab
2015 die An-
tragstellung für zwei weitere Abbaufelder notwendig, Bagenz-Ost
und Sprem-
berg-Ost.
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