Ausgabe 2010.02 / Energiewirtschaftliche Bedeutung der Braunkohle
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Die Bedeutung eigener Energiequellen wächst. Je stärker der Energiehunger in Entwicklungs- und Schwellenländern wird, desto höher steigt die Wertschät-
zung für die eigenen Ressourcen. In Deutschland ist die Braunkohle der mit Ab-
stand wichtigste heimische Energieträger. Mit knapp 170 Millionen Tonnen (Mio. t) lag die Braunkohlenförderung in Deutschland 2009 auf stabilem Niveau. Der deutsche Braunkohlenbergbau umfasst derzeit vier Reviere. Mit knapp 100 Mio. t entfällt die größte Fördermenge auf das Rheinische Revier. In der Lausitz erreicht die Förderung ein Niveau von mehr als 55 Mio. t pro Jahr. Das Mitteldeutsche Revier im Großraum Halle-Leipzig fördert pro Jahr etwa 20 Mio. t. Das Helmstedter Braunkohlenrevier trägt mit rund 2 Mio. t Förderleistung zum gesamten deutschen Braunkohlenaufkommen bei. Die deutsche Braunkohlenförderung hatte 2009 einen Energiegehalt von rund 52 Mio. t Steinkohleneinheiten (SKE). Braunkohle deckte damit etwas mehr als 11 Prozent des gesamten Energieverbrauchs des Landes.


Deutschland bildet den mit Abstand größten Energiemarkt in Europa und ist in erheblichem Umfang auf Energieimporte angewiesen. Besonders hoch ist die Importquote beim Mineralöl mit 97 Prozent. Beim Erdgas kommt inzwischen nur noch ein knappes Fünftel aus eigenen Quellen. Der Bedarf an Steinkohle wurde 2009 zu knapp 30 Prozent aus heimischer Förderung gedeckt. Durch das Auslaufen des deutschen Steinkohlenbergbaus wird dieser Beitrag in den kommenden Jahren kontinuierlich sinken. Der Verbrauch von Braunkohle wird in Deutschland zu 100 Prozent aus der heimischen Förderung gedeckt. Die Braunkohle ist mit einem Anteil von knapp 40 Prozent an der inländischen Energiegewinnung der mit Abstand wichtigste heimische Energieträger. Unter Berücksichtigung der Nutzung von Wind- und Wasserkraft liegt die Importabhängigkeit der deutschen Energie-versorgung bei rund 70 Prozent. Aufgrund der in Deutschland vorgehaltenen mehrjährigen Brennstoffvorräte kann auch die Kernkraft den heimischen Energie-trägern zugeordnet werden. Bei Berücksichtigung der Kernenergie sinkt die Importquote der deutschen Energieversorgung auf rund
60 Prozent.


Braunkohle war 2009 nach Mineralöl und Erdgas der drittwichtigste Energieträger. Die Braunkohle leistet seit vielen Jahren einen stabilen Beitrag zur Energie-versorgung des Landes, begrenzt die Importabhängigkeit und dämpft die Auswirkungen internationaler Preisbewegungen auf den heimischen Markt.


Braunkohle und Strom bilden eine enge und bewährte Partnerschaft. Braunkohle
wird nahe am Ort der Gewinnung verstromt. Rund 92 Prozent der gesamten Braun-
kohlenförderung werden in Kraftwerken zu Strom und Wärme umgewandelt. Das schont Umwelt und Ressourcen und ist kostengünstig. Angesichts des rückläufi-
gen Beitrags der Kernenergie sowie deutscher Steinkohle zur inländischen Strom-
erzeugung gewinnt die Braunkohle als einziger heimischer Energieträger, der
ohne Subventionen hinreichend verfügbar ist, an Bedeutung. 2009 lag der Anteil der Braunkohle an der Brutto-Stromerzeugung in Deutschland mit rund 147 Terawattstunden (TWh) bei fast 25 Prozent und damit stammte 2009 jede vierte in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde Strom aus Braunkohle. Auch in Zukunft wird mit ähnlich hohen Beiträgen der Braunkohle gerechnet.

Die Förderung deutscher Steinkohle sinkt bis 2012 auf etwa 12 Mio. t und könnte im Jahre 2018 möglicherweise ganz auslaufen. Die deutschen Steinkohlenkraftwerke sind damit zunehmend auf Importe angewiesen. Die Nutzung der Kernenergie wird aktuell neu diskutiert. Der Einsatz von Erdgas in der Stromerzeugung konzentriert sich auf wenige Großanlagen sowie kraft-wärme-gekoppelte Anlagen im kommunalen Bereich. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung konnte in den zurückliegenden Jahren erheblich ausgebaut werden. 2009 lag ihr Anteil bei über 15 Prozent. Das Ausbauziel für 2020 liegt bei 20 Prozent. Damit bleiben auch nach 2020 die nicht-erneuerbaren Energien Hauptpfeiler der Stromerzeugung in Deutschland.

Vor diesem Hintergrund ist ein langfristig stabiler Beitrag der Braunkohle zur Stromversorgung dringend geboten.


Die Braunkohle wird bis mindestens 2030 ihre Rolle als wichtigste heimische
Energiequelle verteidigen und eine unverzichtbare Verstromungsenergie bleiben. Zu diesem Ergebnis kommt ein vom Bundeswirtschaftsminister beim Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln (EWI) und der Prognos
AG in Auftrag gegebenes Gutachten zur Entwicklung der Energiemärkte. Die Forscher gehen davon aus, dass der Energieverbrauch in Deutschland im Jahre 2030 um rund 15 Prozent unter dem des Jahres 2002 liegen wird und die Wirt-
schaftsleistung des Landes um rund 50 Prozent ansteigt. Die Forschungsinstitute gehen davon aus, dass 2030 in Deutschland etwa 51 Mio. t SKE Braunkohle gefördert und damit etwa 11 bis 12 Prozent des Energiebedarfs gedeckt werden können. Beim Stromverbrauch wird zunächst eine Zunahme und dann bis 2030
ein kontinuierliches Absinken auf das Niveau des Ausgangsjahrs 2002 erwartet. Anders als der gesamte Energieverbrauch geht der Stromverbrauch also zunächst nicht zurück. Der Braunkohleneinsatz in Kraftwerken bleibt nach Ansicht der For-
schungsinstitute bis 2030 stabil. Die kontinuierlich steigenden Wirkungsgrade
der Kraftwerke infolge Ersatz oder Modernisierung sorgen dafür, das bei kons-
tantem Energieeinsatz rund ein Sechstel mehr Strom aus Braunkohle erzeugt wird.


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